Singletrail Schnitzeljagd – das etwas andere Rennen in Sölden

Mal etwas anderes ausprobieren, neue Eindrücke sammeln und diesmal bergauf nicht um jede Zehntelsekunde kämpfen müssen, sondern mit Gleichgesinnten Spaß an Abfahrten auf anspruchsvollen Pfaden haben. Schnell war der Entschluss gefasst, bei diesem Endurorennen der etwas anderen Art an den Start zu gehen.

Das Konzept der Singletrail Schnitzeljagd ist schnell erklärt. Gestartet wird im Zweierteam. Die Wahl der Wege ist frei. Es gilt eine Reihe von Checkpoints und Almen mit zu lösenden Aufgaben in möglichst kurzer Zeit abzufahren, die erst eine halbe Stunde vor Rennbeginn bekannt gegeben werden. Die Besonderheit dabei besteht darin, dass die Seilbahn als Aufstiegshilfe genutzt werden darf und somit der Fokus auf dem Abfahrtspaß liegt. Am frühen Samstagmorgen nehmen wir die Gondel hinauf zum Gaißlachkogel, auf über 3.000 Meter über dem Meer. Die Sonne strahlt vom Himmel, nur ein paar kleinere Wolken sind am Horizont zu sehen. Zwei schöne Tage haben die letzten Schneereste weggeschmolzen und machen die Abfahrt von der Gipfelstation nun doch möglich. Nach kurzer Taktikbesprechung und dem obligatorischen Gipfel-Selfie gibt Organisator Holger Meyer das Rennen frei.

Nach einem kurzen Sprint zu unseren Bikes, die wir sicherheitshalber am Ende des Teilnehmerfeldes positioniert haben, stürzen wir uns ins Getümmel. Mit jedem Meter Richtung Tal, auf der von scharfen Steinen gespickten Wirtschaftsstraße, steigt das Selbstvertrauen und damit auch das Tempo. Auf Höhe der Mittelstation angekommen werden wir vom ersten Defekt gebremst. Ich hatte mir auf der rasanten Abfahrt den Reifen aufgerissen und so müssen wir den zuvor überholten Teilnehmern zusehen wie sie wieder an uns vorbeizogen.

Nach erfolgter Reparatur entscheiden wir uns, den Weg Richtung Rettenbachalm - zum ersten Checkpoint - zu nehmen. Weiter geht es Richtung Gampe Thaya, auf den flowigen Trailabschnitten, versuchen wir, wieder ein paar Plätze gutzumachen. An der Gampe Alm angekommen wartet die erste Aufgabe auf uns. Mit einem Kinderrad geht es auf einer Rundstrecke um Hindernisse. Während der eine den Parcours meistert, holt sich der andere die begehrten Stempel ab. Ein kurzer Blick in die Karte und schon geht es wieder auf das Rad. Wir fahren Richtung Leiterbergalm, wo am Continental Stand die nächste Aufgabe auf uns wartet. Laufradtaschen-Sackhüpfen beendet und weiter geht es immer schneller auf dem Leiterberg Trail hinab nach Sölden, in der Gewissheit, die Hälfte bereits überstanden zu haben.

Kaum haben wir Sölden durchquert, wartet der lange steile Anstieg zur Stallwies Alm auf uns. Zunächst auf Asphalt, später auf Schotter, geht es unter der inzwischen hoch stehenden Sonne immer weiter bergauf. Der Schweiß läuft uns über das Gesicht und immer wieder kommen uns Mountainbiker entgegen, die den Checkpoint bereits absolviert haben und die Schotterstraße als Abfahrt benutzen. Als wir endlich die Alm erreicht und die Aufgabe erledigt haben, legen wir dort eine Pause ein. Abwärts trennen sich kurzfristig unsere Wege nach dem dritten Checkpoint. Während Elias den Trail weiter bergab nimmt, weiche ich auf die Forststraße aus, um meinen defekten Vorderreifen zu schonen.

An der Mittelstation angekommen fahren wir auf dem Nene Trail in Richtung Heidealm hinab, wo die letzte Challenge auf uns wartet. Ich dirigiere Elias um einen Hindernisparcours, der mir mit verbundenen Augen vertrauen muss. Wir beeilen uns, die Gewitterwolken in Nacken, den technisch anspruchsvollen und schnellen Trail zum letzten Checkpoint unter die Stollen zu nehmen. Zum Schluss hin ist nur noch der letzte Teil der Teäre Line zu absolvieren. Dieser spuckt uns direkt an der Talstation und der daneben liegenden Zieleinfahrt aus. Letzten Endes erreichen wir in einer Zeit von 5:40:28:6 Stunden Platz 102 in unserer Wertungsklasse – 3:20 Stunden hinter dem Siegerteam. Doch dieser Platz sagt nichts über den Spassfaktor bei diesem Endurorennen aus. Erstklassige Trails, unterhaltsame Aufgaben, tolle Almen und der sagenhafte Ausblick auf die Berge im Ötztal, dies kommt dem perfekten Tag schon sehr nahe. Wenn dann zum Abschluss noch ein frisches Schnitzel winkt, bleibt kein Wunsch mehr offen. Ob wir beim nächsten Mal wieder am Start sind? Diese Frage stellen wir uns. Sicher ist, es wird nicht unser letztes gemeinsames Wochenende im Ötztal gewesen sein.